Handgewebte Seidenschals

Handbestickte Susani

Zu den schönsten Elementen der traditionellen Kunst Zentralasiens gehören die großen Seidenstickereien, die unter dem Sammelbegriff Susani zusammengefasst werden. Die großformatigen Stickereidecken, waren seit Alters her vor allem in Usbekistan verbreitet.

Die künstlerische Stickerei beruht in Usbekistan auf alten Traditionen und ist eng mit dem Alltag der Bevölkerung verbunden. Die Nadelarbeiten unterscheiden sich sowohl in der Technik als auch in den Mustern. Von schmückenden Accessoires über Decken und Vorhänge bis hin zu großformatigen Wandbildern - den sogenannten Susani - all dies wurde mit Stickereien versehen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besaß die usbekische Stickerei einen besonderen nationalen Charakter und wurde praktisch von allen Frauen beherrscht. Die Kunst der Stickerei wurde sehr stark verbreitet. Fast jede Frau konnte sticken. Stickerei wurde für Hochzeitsfeiern angefertigt, mit Stickerei wurde das Zimmer der Neuverheirateten geschmückt.

In Usbekistan unterscheidet man eine große dekorative Stickerei, eine Stickerei an der Kleidung und an den Haushaltsgegenständen. Aber den führenden Platz nimmt zweifellos "Süsane".
Süsane ist ein dekorativ gestricktes Wandtuch. Die großten "Susannes" sind 2-3 meterlang. Ihre Breite kann manchmal sogar 2 Meter betragen.
Usbekische "Süsanes" können uns darüber erzählen, dass die nationale Kunst ihren eigenen Stil ihre Eigenschaften hat, die sich jahrhundertelang entwickelte. Gegenwärtig wird die Stickerei als Handarbeit und auf industrielle Weise ausgeführt.

Die bestickten Erzeugnisse wurden hauptsächlich für die Hochzeit hergestellt und waren ein Teil der Mitgift der Braut. Mit bestickten Gegenständen und Decken wurde das Zimmer des jungen Brautpaares ausgestaltet. Bestickt wurden Kissenbezüge, Bettlaken und -Überzüge sowie Nischenvorhänge, Wandbehänge, Friese, Kamm- und Spiegelsäckchen. Die einzelnen Stücke waren harmonisch aufeinander abgestimmt und stellten ein einheitliches künstlerisches Ensemble dar.

Die größten Stickereien, die eigentlichen Susani, deren Maße bei unterschiedlichen Proportionen durchschnittlich bei 160 bis 200 mal 220 bis 270 Zentimetern lagen, waren als Wandbehänge gedacht. Daneben gibt es große an beiden Längsseiten und einer Schmalseite bestickte Tücher, die als Laken für das Brautbett dienten. Kleinere Stickereien lagen über den Kissen der Neuvermählten und dienten später zur Bedeckung des tagsüber in Nischen aufgestapelten Bettzeugs. Schmale, lange Stücke wurden als eine Art Fries unter der Zimmerdecke angebracht. Als Grundmaterial für die Susani wurden traditionellerweise relativ grob gewebte breite Baumwollstoffe verwendet, die in der Regel in ihrer natürlichen Farbe belassen wurden.

Die usbekische Stickerei Ende des 19. beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts war ein fester Bestandteil der Volkskunst und besaß einen einheitlichen, jahrhundertealten künstlerischen Stil. Allerdings haben sich auch lokale Besonderheiten ausgebildet. Im 19. Jahrhundert gestalteten sich mehrere große Zentren der künstlerischen Stickerei - Nurata, Buchara, Schahr-i-Sabs, Samarkand, Taschkent und Fergana - heraus.

Jede Stickereischule kennzeichnet sich durch eine eigene lokale künstlerische Spezifik. Eine eigenartige Stickerei mit besonders ausgeprägten Merkmalen entstand im 19. Jahrhundert zum Beispiel in Nurata. Die Erzeugnisse aus Nurata sind mit Blumensträußen verziert, die den weißen Hintergrund des Stoffes nicht vollkommen bedecken. Nach der Reichhaltigkeit und Vielfalt der Blumenmotive sind sie unter den usbekischen Fabrikaten führend. Die Pflanzenmuster wurden durch Abbildungen von Vögeln und mitunter durch stark stilisierte Darstellungen von Tieren und Menschen belebt. Die Stickereien sind in hellen, zarten Tönen mit einer Säumung durch ornamentale Motive ausgeführt.
Für Stickereien aus Nurata ist eine geschlossene Komposition mit einem achtstrahligen Stern in der Mitte und vier großen Sträußen in den Ecken des Zentralfeldes typisch. Andere Motive verteilen sich zwischen diesen Schwerpunkten. Eine andere Komposition besteht aus einem rhombus-förmigen Netz, das von zackigen Blättern gebildet wird. Die Zwischenräume werden mit Blütenzweigen, Rosetten, Vögeln und anderen Tieren gefüllt.

Die Stickerei aus Buchara ist ein besonders inhaltsreiches und einzigartiges Handwerk. Ihre Merkmale sind Blüten auf feinen Zweigen, die gleichmäßig auf dem Stoff verteilt sind, oder runde, mit Stängeln umrahmte Rosetten. Abgestimmte feine Kombinationen von blauer, grauer, hellgelber mit roter, himbeerroter und grüner Farbe verleihen der Stickerei eine besondere Eleganz.

Die Samarkander Stickerei unterscheidet sich von der aus Nurata und Buchara durch ein großflächiges Muster aus großen, runden in Blätterringen gesetzten Rosetten sowie durch die Farbgebung mit vorwiegend winterlichen lilafarbenen Tönen und durch Besonderheiten der Sticktechnik.

Im Ornament der Stickereien aus Schahr-i-Sabs steht wie auch in Samarkand eine große Rosette mit vielfarbigen Details in Blätterkränzen im Vordergrund. Manchmal sind im Zentralfeld große gefäßähnliche Figuren und am Saum große Kreise aufgestickt. Sehr eigenartig sind die Tubetejkas (Sommermützen) aus Schahr-i-Sabs. n der Farbgebung dominieren kalte himbeerrote, grüne, türkisblaue und rote Töne.

In Taschkent sind zwei Hauptarten der dekorativen Stickerei vertreten, die mit Susani aus anderen Regionen analog sind. Das sind Palak (vom arabischen Falak - Himmel) und Gulkurpa (Blumendecke). Die Komposition der Taschkenter Palak besteht aus durchgehend ausgestickten dunkelroten Kreisen, die Komposition der Gulkurpa aus einem Stern oder einem Kreis und Zweigen mit Blüten in der Mitte, wobei ein großer Teil des Hintergrunds nicht bestickt wird.
Die Stickerei aus dem Ferganatal ist gekennzeichnet durch ein feines graphisches Muster aus Zweigen und konzentrischen Ringen, das ebenfalls einen großen Teil des Hintergrunds frei lässt. Die Stickerei wird auf einem farbigen Stoff ausgeführt, der erst Ende des 19. beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts als Hintergrundstoff eingeführt wurde.

Große dekorative Stickereien aus Fergana erinnern durch ihre raffinierte Ausführung und Zeichnung an Tubetejkas, deren Kolorit auf dem Kontrast der hellen und dunklen Farbtöne beruht. Wenn man von den Unterschieden zwischen den örtlichen Stickereien spricht, dann muss man auch darauf hinweisen, dass für jede Region eine typische Palette von Erzeugnissen kennzeichnend ist.

In Nurata, Buchara und Samarkand werden zum Beispiel dekorative Stickereien zur Gestaltung der Innenräume angefertigt. Für Fergana und Schahr-i-Sabs sind kleine Stickereien sowie bestickte Kleidung - Tubetejkas und Mäntel - typisch. Taschkent ist bekannt für seine großen Wandbilder, mit denen die Innenräume geschmückt werden.
Die verschiedenen örtlichen Schulen weisen aber auch stilistische Gemeinsamkeiten auf. Das Blütenornament aus Buchara steht den Stickereien aus Nurata sehr nahe. Ein anderer Teil der Stickereien aus Buchara ist mit ihren runden Rosetten vom Muster her mit den Erzeugnissen aus Schahr-i-Sabs vergleichbar. Die Taschkenter Wandbilder erinnern stilistisch an die Stickerei aus Fergana.

Ungeachtet der genannten Analogien finden sich bei der Analyse der verschiedenen usbekischen Stickereien keine zwei sich gleichenden Arten. Jede Stickerei ist einmalig, denn die vielfältigen Ornamente und Variationen sind eine Grundlage der usbekischen Volkskunst.